TT International: Drei Veckerhäger im Ausland



Patrick Henn bei den Eidgenossen in der Schweiz


Im vergangenen Sommer entschlossen sich gleich drei junge Sportkameraden zu einem großen Schritt: Sie gingen ins Ausland, zum Teil vorübergehend, zum Teil auf unbestimmte Zeit.

Patrick Henn (28) suchte sich eine Anstellung in der reichen Schweiz, der 19-jährige Jan Gerhold entschloss sich nach dem Abitur zu einem Freiwilligen Sozialen Jahr im armen Argentinien und der gerade 26 gewordene Martin Schweinberger legte ein Auslandssemester in der aufstrebenden Republik Irland ein. Während Martin so gut wie fertig ist und demnächst die 1.Mannschaft verstärken wird, ist Jans Aufenthalt bis zum Sommer befristet. Wo er dann sein Studium antreten wird und in welchem Umfang er dann wieder in den TT-Sport eingreift, ist noch ungewiss, ebenso wie die Dauer des „Alpen-Abenteuers“ von Patrick Henn. Die Drei fehlen uns natürlich gewaltig und wir halten jedem einzelnen ein Plätzchen in unserem Aufgebot frei.

Wir haben alle Auswanderer unabhängig voneinander nach ihrem Befinden und dem Stellenwert ihres Sports in der neuen Heimat befragt. Patrick macht den Anfang:

Das Bier schmeckt Patrick Henn auch in der Schweiz„Ich heiße Patrick Henn bin 28 Jahre und bin im Juni 2007 nach erfolgreicher Meisterschule aufgrund beruflicher Perspektive nach Thun (Schweiz) gezogen. Mein Beruf schimpft sich Berufsbildner Zierpflanzenbau. Es ist ein interessantes, aber anstrengendes und herausforderndes Aufgabengebiet.

Mein sportlicher Wechsel fiel mir ziemlich schwer, hatte ich doch als eines der (wenigen) Veckerhäger Eigengewächse in der letzten Spielzeit die wohl beste Saison bisher gespielt. Außerdem waren wir eine echte " Bomben- Truppe".

Ja und nun spiele ich in der Schweiz TT. Dieser Sport ist dort (noch) nicht so populär. Häufig kommen Reaktionen wie "was du spielst Ping-Pong, wie uncool!" Doch wenn man diesen Sport liebt, muss man da durch.

In der Schweiz gibt es ein Klassierungssystem das von D1 (schlecht) bis A20 (Spitzenklasse) reicht. Diese Klassierungen werden je nach erzielten Ergebnissen bei Turnieren oder Spielen jeweils angepasst. Man kann also bei Sieg gegen "bessere", oder Niederlage gegen "schlechtere" in der Klassierung steigen oder sinken.

Jeder lizenzierter Spieler erhält eine Art Tischtennischipkarte, die er zu jedem Spiel mitbringt. Gespielt wird mit 3 er Mannschaften. Jeder Spieler macht 3 Einzel. Zusätzlich wird ein Doppel gespielt. Es wird also immer ausgespielt. Trotz eines vermeintlich hohen Rückstandes gibt es einen Anreiz zu punkten, denn bei einem 3 : 7 in Gesamtergebnis hat man immerhin noch 1 Punkt mitgenommen. Da alle 6 Spieler immer parallel spielen werden leider keine Zähltafeln benutzt. Es zählt immer der Aufschläger. Die Ligenaufteilung ist enger und vor allem einheitlicher als in Deutschland. Nationalliga A-C und 1-5 Liga. Ich bin C7 klassiert und pendele derzeit in der 3. und 4. Thuner Mannschaft zwischen 2. und 2. Liga ( vergleichbar in D mit Kreisliga maximal Bezirksklasse) und stehe dort mit einer aktuellen Bilanz von 7 : 2.

Die Turniere sind teilweise so gut besetzt das meist von Anfang an mit K.O. System gespielt wird. Die Spielstärke des Schweizer Tischtennis ist aufgrund des hohen Anteils guter deutscher Spieler nicht zu unterschätzen. Das musste ich speziell bei Turnieren am eigenen Leib erfahren. In der 2. Runde war meist schon Endstation! Das soll sich aber bald ändern.“


Martin Schweinberger berichtet aus IrlandErfahrungsbericht von Martin Schweinberger - Tischtennis in Irland

Man könnte meinen, dass wegen des zugegebenermaßen für Kontinentaleuropäer’ gewöhnungsbedürftigen und sprichwörtlichen Niesel- und Regenwetters Hallensportarten wie Tischtennis einen guten Stand in Irland hätten. Doch leider kann unser geliebter Sport rund um den kleinen Celluloidball den großen drei des irischen Sports’ Hurling, Gaelic Football und Football oder Soccer (liebevoll Footi genannt) nicht das Wasser reichen und führt ein eher bescheidenes Nischendasein. Um es kurz zu sagen: Tischtennis hat in Irland in etwa den gleichen Status wie Hallenhalma hierzulande. Um so erstaunlicher ist es, dass das Niveau relativ hoch ist und unter den wenigen Tischtennisspielern der größte Teil zwischen Spielstärken von Bezirksliga bis Verbandsliga variiert. So gab es in Galway, einer 60.000 Einwohner zählenden Stadt an der irischen Westküste und zugleich der regenreichsten Stadt Europas, nur zwei bis drei Tischtennisspieler die regelmäßig und auf besserem Niveau trainierten – jedoch waren diese wenigen Spieler neben ihren Qualitäten als Trainingspartner in menschlicher Hinsicht eine wahre Bereicherung.

Eine erwähnenswerte Besonderheit des irischen Tischtennis ist, dass die Teilung Irlands in die südliche Republik und den zu Großbritannien zählenden Norden beim Tischtennis keine Rolle spielt. Irland ist zumindest im Sport wieder vereint (ausgenommen beim Football, da man Krawalle zu verhindern versucht). Ähnlich der deutschen Aufteilung der Bundesländer in Bezirke, ist Irland in Provinzen unterteilt, die sich in ihren Spielstärken und in ihrem Spielbetrieb sehr voneinander unterscheiden. So gibt es zwar Ligen, jedoch nicht in allen Provinzen – insbesondere nahe der größten Stadt Irlands, Dublin, hat sich ein Ligensystem gebildet, auch weil sich hier eine größere Anzahl an Spielern findet – immerhin leben etwa ein Viertel der irischen Bevölkerung in und um Dublin herum. Im Gegensatz hierzu waren Spieler und Möglichkeiten im Westen Irlands bescheidener. In der westlichen Provinz Connach gibt es zum Beispiel nur eine Liga auf unterm Niveau in der die besseren Spieler dieser Provinz nicht mitspielen. Die besten acht Spieler Connachs treffen sich hingegen einmal im Monat um ein Ranglistenturnier auszutragen und, um gleich zu einer weiteren, sehr liebenwerten Eigenschaft des irischen Tischtennis zu kommen, um den Sport mit Geselligkeit zu verbinden.

Der relativ geringen Anzahl der Spieler geschuldet ist die sehr familiäre und herzliche Atmosphäre. Man wird schnell in die Tischtennisgemeinschaft aufgenommen und spürt sofort die berühmte irische Herzlichkeit und Gastfreundschaft, die einen für das trübe Wetter entlohnt, spätestens wenn einem nach dem ein oder anderen Pint nach dem Training das Wetter egal geworden ist.

Auf Provinz übergreifender Ebene finden einige Male im Jahr All-Irland’ Turniere statt, meist in den größeren Städten und Tischtennis Hochburgen Dublin, Cork, und Belfast. Insbesondere in Dublin an der UCD (University College Dublin) und in Belfast wird seit einigen Jahren intensive und erfolgreiche Jugendarbeit geleistet, vergleichbar mit den deutschen Leistungszentren und Jugendkadern. Dieser Nachwuchsförderung ist es zu danken, dass etwa 15 der besten 20 Spieler Irlands noch Schüler und Jugend spielen können.

Als Fazit kann ich durchaus sagen, dass mir das Tischtennis spielen in Irland viel Spaß gemacht hat, ich sehr begeistert von der irischen Freundlichkeit heimgekehrt bin und auch nach meinem Aufenthalt Kontakt mit einigen Spielern halte. Besonderer Dank gilt Terry Dolan und Robert Gavin, ohne die ich in Irland nicht hätte spielen können.


Jan Gerhold berichtet aus Argentinien

Nachdem in den letzten Wochen bereits Patrick Henn aus Thun/Schweiz und Martin Schweinberger aus Galway/Republik Irland berichtet hatten, geht es im dritten und letzten Teil unserer kleinen Reihe in noch weitere Ferne: Jan Gerhold berichtet aus ArgentinienJan Gerhold berichtet aus der argentinischen Metropole Buenos Aires…

„Nach dem Abitur entschied ich mich für ein Freiwilliges Soziales Jahr in Argentinien. Jetzt arbeite in einem ärmeren Teil von Buenos Aires, Touristen habe ich hier noch nicht gesehen. Meine Arbeit im Altenheim reicht von Betreuungsaufgaben über Hausmeistertätigkeiten bis zu Arbeiten in der „Sozialen Fürsorge“. Die Sonne scheintfast immer und ich kann die Zeit hier richtig genießen, obwohl mein Tischtennisschläger schon seit vier Monaten unbenutzt im Schrank liegt.

Wenn ich einen Argentinier auf Tischtennis anspreche, werde ich meistens schräg angesehen, oder mir wird empfohlen, mich einer richtigen Sportart zuzuwenden, üblicherweise dem Fußball. Kein Wunder in einem Land, das - wie ich selbst erleben konnte - durch wichtige Fußballspiele in einen absoluten Ausnahmezustand versetzt wird.

Nachdem ich Nachforschungen angestellt hatte, stellte ich jedoch fest: Es gibt meinen Sport doch in diesem Tischtennis-Entwicklungsland! Über ganz Buenos Aires verstreut befinden sich kleine Clubräume, die aber meistens eher umgewandelten Kellern gleichen. Und unter einem Dachverband und verschieden einzelnen Verbänden werden regelmäßig Turniere veranstaltet; je nach Ergebnis steigt man in den Turnierklassen und Ranglisten auf oder ab. In einem Turniersystem könnte man als durchschnittlicher, deutscher Kreisligaspieler schon in der höchsten, der sogenannten „Elite“ - Kategorie starten. Aber Argentinien besitzt auch einen Topspieler - momentan ist er die Nummer 77 der ITTF-Weltrangliste. Der Star heißt Liu Song, spielt in Europa und ist ein eingebürgerter Chinese“.


           

Redaktion und Berichterstattung - VfL Veckerhagen- Uwe Lotze - Jrg Vater -  letzte Bearbeitung: 16.04.2007